Vor Kurzem ist bei mir eine DJI Osmo Pocket 4 eingezogen – eine kleine, richtig gute Kamera. Was mich allerdings sofort gestört hat, war die mitgelieferte Tasche: weich, nachgiebig und für unterwegs aus meiner Sicht kein echter Schutz. Genau solche Momente sind für mich der Startschuss für ein neues Projekt.
Also habe ich angefangen, mir eine eigene, robuste Schutzbox zu konstruieren – eine Art „Rugged Case", das die Kamera wirklich sicher durch den Alltag bringt.
Sechs Prototypen, bis es passt
Inzwischen liegen sechs 3D-gedruckte Versionen der Box nebeneinander – und das aus gutem Grund. Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, 3D-Druck funktioniere so: Knopf drücken, kurz warten, perfektes Teil in der Hand. In der Realität steckt die Arbeit in den Details und in den Iterationen.
Bei einer Schutzbox dreht sich alles um Passgenauigkeit. Die Schnallen dürfen nicht zu schwergängig schließen, sonst nervt das Öffnen – aber auch nicht zu locker sitzen. Die Toleranz zwischen Kamera und Deckel muss auf den Zehntelmillimeter stimmen: genug Halt, damit nichts wackelt, aber bloß nicht so eng, dass die Kamera eingequetscht wird. Jede dieser Stellschrauben bedeutet einen neuen Druck – anpassen, wieder drucken, wieder prüfen.
Das Joystick-Problem
Eine Besonderheit der Osmo Pocket 4: Der Joystick steht weiter heraus als das Display. Legt man die Kamera einfach in eine flache Box, drückt der Deckel genau auf diesen Joystick. Die Lösung steckt im Deckel – genauer gesagt im Schaumstoff: Dort sitzt eine passgenaue Aussparung für den Joystick, sodass der Deckel sauber schließt, ohne irgendwo Druck auf die Kamera auszuüben.
Warum PETG statt PLA
So eine Box ist unterwegs dabei – im Rucksack, im Auto, in der Sonne. Genau da wird es kritisch: Standard-PLA wird bei Hitze weich. Eine Box, deren Verschluss nach einer Stunde im warmen Auto nicht mehr sauber schließt, ist nutzlos. Deshalb drucke ich die Box aus PETG – einem Material, das deutlich temperaturbeständiger ist, formstabil bleibt und sich auch nach etwas Sonne nicht verzieht. Mehr zu den Kunststoffen, mit denen ich arbeite, steht auf der Materialien-Seite.
Ein TPU-Einsatz als Stoßdämpfer
Eine harte Schale allein reicht nicht – im Gegenteil: Eine komplett starre Box gibt jeden Stoß direkt an die Kamera weiter. Deshalb bekommt die Box einen Einsatz aus TPU, einem flexiblen, gummiartigen Kunststoff. Der federt Stöße ab und entkoppelt die empfindliche Technik vom harten Gehäuse: Hartschale außen, Dämpfung innen.
Der Belastungstest
Zum Schluss wollte ich es genau wissen und habe mich kurzerhand selbst auf die geschlossene Box gestellt – natürlich ohne Kamera darin. Das Ergebnis: Die Box hält stand, ohne nachzugeben. Genau dieses Gefühl von Sicherheit soll sie auch im Alltag vermitteln.
Die Schutzbox für die Osmo Pocket 4 gibt es inzwischen im Shop. Für eigene Teile, die es so nicht von der Stange gibt, sind die 3D-Druck-Sonderanfertigungen der richtige Weg.


